Zettel - Von Zuschauerquoten und Besucherzahlen
Bildquelle: Karl Baumann - Tivoli Neu während der Fußball-Europameisterschaft 2008 mit voller Tribüne, MedienvertreterInnen & Spieler
Der ORF ist längst nicht mehr von einem alleinig kommerziell interessierten Medienunternehmen (RTL; Pro 7, Sat 1, etc.) zu unterscheiden (einzige Ausnahme, das sei erwähnt, bleibt das Radioprogramm Ö1) – eine Bildungs- und Kulturpolitische Katastrophe. Das verstehen so manche vielleicht noch. Aber – oder eben – vor allem ist es eine wirtschaftspolitische Katastrophe.
Es ist eine paradoxe Tatsache, dass Führungskräfte vermehrt und vehement ihre Zufriedenheit mit dem, was sie tun, an Zahlen erkennen: Werbeeinnahmen, Verkaufserlöse, BesucherInnen, Zuschauer, etc. etc. Um diese Zahlen nach oben zu bekommen, heiligt der Zweck nahezu alle Mittel. Soweit die bekannte Geschichte.
Diskussionen um eine gesunde Gesellschaft, die derartig organisiert ist, dass Sie eine bestimmte Kultiviertheit und deshalb Balance mit ihren ökologischen Rahmenbedingungen entwickeln kann und vor allem im Frieden miteinander lebt, endet dort, wo es um den „Mündige KonsumentIn“ geht. Eine „Mündige KonsumentIn“ zeichnet sich dadurch aus, dass Sie die Konsequenzen Ihrer (Kauf-)Entscheidungen einigermaßen einschätzen kann und als solches ein größtmögliches Freiheitsniveau erreicht.
Dass die Anzahl an „Mündigen KonsumentInnen“ im Fallen ist, ließe sich auch an Zahlen ablesen. Die haben jedoch für die Führungsentscheidungen in ORF und Co. keine Relevanz. Wie sehr sinnentleert das Ganze durch die optimierte Kommerzialisierung bereits ist, zeigen vor allem zwei Kennzahlen: Selbstmordrate und Geburtenziffern.
Seien wir uns doch mal ehrlich: Eine „Mündige KonsumentIn“ will unter den momentanen Bedingungen niemanden zumuten, dasselbe durchleiden zu müssen, wie Sie selbst – sprich – eine „Mündige KonsumentIn“ will unter den aktuellen Umständen keine Kinder „produzieren“.
Eine SelbstmörderIn beweißt (gewiss verkürzt und niemals der Dramatik einer solchen Tat entsprechend), dass die „Welt“ in der Sie lebt, nicht weiter lebenswert ist. Selbstmord ist längst eine der häufigsten Todesursachen geworden!
Die Kinder, die noch geboren werden, wirken eher (ohne jemanden beleidigen zu wollen) als ein Produkt von „unbedachter Geilheit“ oder sonstigen „One-Night-Stand-Unfällen“, denn als bewusst gewünschte und erhoffte familiäre Ereignisse und Bereicherungen.
Der eigentliche Grund – so die These – für diese aktuelle Situation liegt bei Zuschauerquoten und Besucherzahlen. Die inhaltliche Ausrichtung einer Organisation, wie die des Österreichischen Rundfunks, Kultureinrichtungen wie Museen etc. nach deren Popularität führt kurzfristig zu einem Besucherzuwachs, jedoch langfristig zum Tod jeglicher Form von anspruchsvoller inhaltlicher Auseinandersetzung. Der Grund dafür ist relativ einfach: Ist das Niveau der Medienberichterstattungen, der Kulturproduktionen etc. einmal an das dem Publikum verträgliche angepasst, so pflanzt sich das weiter und das Publikum gewöhnt sich mehr und mehr daran. Schnell vergessen sind Auseinandersetzungen zu Themen, die weiter als nur triviales Ursache-Wirkungs-Denken zur Aufnahme benötigen. Also ist einmal das Niveau ruiniert, dann ist die Folge, dass auch das Publikum ruiniert wird – und zwar vom Anfang an. Das geht schon bei den Kindern los, die keinerlei Interesse und Konfrontation mehr wünschen. Die „Verblödung“ wird zum Massenphänomen.
Wer nun gegensteuern will und vielleicht noch Leute findet, die überhaupt noch mit Anspruch produzieren können, wird sich zunehmend schwer tun, Publikum zu finden. Um noch einen letzten Rest von Aufmerksamkeit zu erhaschen, bleibt nur noch die Kommerzialisierung auch dessen…usw., usw., usw…wir haben einen wunderschönen, weil selbstverstärkenden Kreislauf nach unten!
Also sagen wir „Auf-Nimmer-Wiedersehen“ differenzierter Diskurs und inhaltlicher Anspruch und freuen uns auf Go-Go-TäzerInnen, Gratis-Eis und endlich einfache Kunst bei der nächsten ORF Langen-Nacht der Museen und weiterhin viel Kultur bei den Kultursendungen des ORF zu den tollen Sendezeiten schon kurz nach Mitternacht, präsentiert von JournalistInnen, die immer noch glauben, wir leben im Bürgertum und die offensichtlich nur nach optischen Kriterien ausgewählt werden, eh klar.
Nein, wir sagen: Aufwidersehen!
Fortsetzung folgt…
am 17.03.2007 14:33





