RSS RSS
20.11.2008
Forschungs-Evaluation ist ab...
Zettel (39 Beiträge online)
Gedanken zur Zeit.

eZine von Karl Baumann

Zettel - Forschungs-Evaluation ist absurd

Kommentare: 0
Zettel - Forschungs-Evaluation ist absurd - Karl Baumann - historische Evaluationsgeräte für richtige Ergebnisse
Bildquelle: Karl Baumann - historische "Evaluationsgeräte" für richtige Ergebnisse

In den letzten Jahren hat sich ein umfassender und zum Teil auch äußerst lukrativer Markt für die Durchführung von Evaluation von Forschungstätigkeiten entwickelt.

• Zunehmend werden Forschungsmittel außerhalb der traditionellen, dafür vorgesehenen und teilweise über Jahrhunderte aufgebaute Organisationen (z.B. Forschungsbudgets für Universitäten) vergeben, weil dieser Weg als verkrustet, ineffizient, unflexibel, etc., weil bürokratisch, mit gezielter Propaganda schlecht gemacht wird. Wesentlich besser scheint es, projektbasierte Forschung zu finanzieren. Das hat den großen Vorteil für die GeldgeberIn, dass das Finanzierungsversprechen nur auf den Zeitraum des Projektes beschränkt ist. Ist das Projekt aus, dann ist es eben aus und Punkt.

Wesentlich dabei ist jedoch, dass das Projekt zumeist auch keine Chance auf weitere Mittel hat, ganz egal, ob es mit positiven oder keinen Ergebnissen am Ende aufwarten kann. Folgeaufträge sind nicht oder nur sehr, sehr selten angedacht. Eigentlich sehr komisch. Da werde zunächst scheinbar heilbringende Marktstrukturen (z.B. Wettbewerb um Projektbudgets) in die Forschung eingebracht, aber leider haben die MacherInnen darauf vergessen, neben Daumenschraube auch noch marktübliche Belohnungsmöglichkeiten einzuführen.

Was es jedoch bereit, umfangreich, teuer etc. gibt, ist eine Evaluation am Ende eines Projektes, Programmes, etc.

Konsequenzen derartiger Evaluation sind zumeist:
  • - Wieder weniger Geld für die eigentliche Forschung, weil sich einige EvaluatorInnen eine goldenen Nase dabei verdient haben – und das Geld muss ja auch wo her kommen – und, ja und…
  • - ein Evaluationsbericht zum durchlesen. Insofern zwar nett, als es wieder etwas mehr zum Lesen gibt, aber eine Diskussion, geschweige denn Reflexion, geschweige denn Aktionen für die Verbesserung möglicher Schwächen – nein.

Das war’s dann eben somit zumeist auch. Also auf gut österreichisch:

Außer Spesen, nix gewesen!

• Werden die Forschungsmittel dort hin gegeben, wo aufwendig und teuer über die letzten Jahrhunderte Forschung aufgebaut wurde und stattfindet (z.B. Universitäten), dann führt sich Evaluation insofern ad absurdum, als die jeweilige wissenschaftliche Tätigkeit ohnehin der Kritik der jeweiligen Kollegenschaft in verschiedensten Formen unterworfen ist1.

Evaluation versucht in diesem Kontext2 Wissenschaftstheorie für wissenschaftliches Handeln zu sein. Evaluation praktisch gedacht beginnt genau dort, was herkömmlich als Wissenschaftsmethodologie bezeichnet wurde und in gebildeten Kreisen nach wie vor wird und ist insofern eben genau so kontroversiell, wie der Diskurs innerhalb der Wissenschaftsmethodologie und Epistemologie. Evaluation von Forschungstätigkeiten kann in diesem Sinne letztlich nichts anderes sein, als die Frage nach der Verwendung entsprechender Forschungsmethoden innerhalb einer entsprechenden Epistemologie. Dieser Fragen widmen sich traditioneller Weise “Philosophen” und dieser Diskurs ist ganz sicher nicht abgeschlossen, noch beantwortet und die unterschiedlichen Positionen so vielfältige wie das Leben selbst.


1 Editorial Boards entscheiden über die Tauglichkeit von wissenschaftlichen Artikeln, Berufungskommissionen entscheiden über die Tauglichkeit von Bewerbungen, Habilitations- und Promotionsverfahren entscheiden über die Tauglichkeit von Karriereschritten, etc. Dies alles passiert innerhalb mehr oder weniger hoch kompetenter WissenschafterInnen, die zumeist jedenfalls besser qualifiziert sind, als zufällige EvaluatorInnen.

2 Vor allem jene Ansätze, die sich post-strukturalistisch, post-modern oder sonst wie post… bezeichnen.


Neuer Kommentar
Zettel - Beitrag: 1 2 3 4 5 6 7 ... 39

Zettel - INHALT

nach Popularität
(21.06.2007) Kultur, Kommerzialisierung und New Public Management
(30.01.2008) Das Konzept der "Meisterschaft"
(19.02.2007) Gebt uns Zeit zum Lesen!
(02.07.2007) "Management" weg von Universitäten
(14.07.2008) homo aestheticus - eine Traum-These
(15.10.2007) Forschungs-Evaluation ist absurd
(24.10.2006) Vor-Sicht Forschung: Recht haben
(10.02.2007) Kunst & Ökonomie I
(07.08.2007) Führung und Verantwortung
(23.08.2007) Forschung will hier niemand – schnelle und einfache Aussagen sind gewünscht!
(26.07.2007) Salzburger, Bayreuther etc. Festpiele und worum es eigentlich geht...
(31.07.2007) Kluge Köpfe flüchten aus Österreich!
(04.09.2007) Vor-Sicht Forschung II: Kritik in der Wissenschaft
(19.05.2007) Vor-Sicht Forschung I: Paradoxon Wissen & Meinungsfreiheit
(17.03.2007) Von Zuschauerquoten und Besucherzahlen
(04.04.2007) Von Zuschauerquoten und Besucherzahlen 2
(17.08.2006) Kritik und double bind
(09.02.2007) Kreativität braucht Stabilität
(25.08.2006) Kritik und Leid
(22.07.2006) Kunst für alle...
(03.05.2007) Die Modeerscheinung "Netzwerke" und Ihre Inhalte
(24.10.2006) Wissenschaft & Kunst
(20.12.2006) Ent-Grenzung ist dogmatisch
(21.10.2006) Woher kommt Kritik?
(26.10.2006) Forschungszugang und Markt radikal zu Ende gedacht?
(13.12.2006) Möglichkeit versus Wahrscheinlichkeit
(30.11.2006) Erfolg kommt von innen...
(24.10.2006) Rekursive Probleme
(21.10.2006) Wozu Wettbewerb?
(20.12.2006) Kreation versus Idee
(30.11.2006) Innovation erkenntnistheoretisch vs. praktisch
(24.10.2006) Kritik und Moderne
(21.10.2006) Kritik und Angst
(24.10.2006) Komplexität & "sich auskennen"
(25.08.2006) becoming critical...
(21.10.2006) Menschen und die Stadt...
(21.10.2006) Schönheit ist messbar.
(21.10.2006) hear the silence
(21.10.2006) Bücher >250 Seiten...
nach historischer Entwicklung
(14.07.2008) homo aestheticus - eine Traum-These
(30.01.2008) Das Konzept der "Meisterschaft"
(15.10.2007) Forschungs-Evaluation ist absurd
(04.09.2007) Vor-Sicht Forschung II: Kritik in der Wissenschaft
(23.08.2007) Forschung will hier niemand – schnelle und einfache Aussagen sind gewünscht!
(07.08.2007) Führung und Verantwortung
(31.07.2007) Kluge Köpfe flüchten aus Österreich!
(26.07.2007) Salzburger, Bayreuther etc. Festpiele und worum es eigentlich geht...
(02.07.2007) "Management" weg von Universitäten
(21.06.2007) Kultur, Kommerzialisierung und New Public Management
(19.05.2007) Vor-Sicht Forschung I: Paradoxon Wissen & Meinungsfreiheit
(03.05.2007) Die Modeerscheinung "Netzwerke" und Ihre Inhalte
(04.04.2007) Von Zuschauerquoten und Besucherzahlen 2
(17.03.2007) Von Zuschauerquoten und Besucherzahlen
(19.02.2007) Gebt uns Zeit zum Lesen!
(10.02.2007) Kunst & Ökonomie I
(09.02.2007) Kreativität braucht Stabilität
(20.12.2006) Ent-Grenzung ist dogmatisch
(20.12.2006) Kreation versus Idee
(13.12.2006) Möglichkeit versus Wahrscheinlichkeit
(30.11.2006) Innovation erkenntnistheoretisch vs. praktisch
(30.11.2006) Erfolg kommt von innen...
(26.10.2006) Forschungszugang und Markt radikal zu Ende gedacht?
(24.10.2006) Wissenschaft & Kunst
(24.10.2006) Kritik und Moderne
(24.10.2006) Komplexität & "sich auskennen"
(24.10.2006) Rekursive Probleme
(24.10.2006) Vor-Sicht Forschung: Recht haben
(21.10.2006) Woher kommt Kritik?
(21.10.2006) Wozu Wettbewerb?
(21.10.2006) hear the silence
(21.10.2006) Kritik und Angst
(21.10.2006) Schönheit ist messbar.
(21.10.2006) Bücher >250 Seiten...
(21.10.2006) Menschen und die Stadt...
(25.08.2006) becoming critical...
(25.08.2006) Kritik und Leid
(17.08.2006) Kritik und double bind
(22.07.2006) Kunst für alle...
Redaktion