
eZine von Alfred Rhomberg
Igler Reflexe - Über Alternativen und Entscheidungsfreiheit
Bildquelle: Alfred Rhomberg - Alternative (ja) - Entscheidungsfreiheit?
Alternativen
dürfen, müssen, sollen, wollen,
viele Alternativen bietet das Leben nicht.
anderereits:
ich darf einiges, ich sollte vieles und will sehr viel mehr -
sind das nicht Alternativen genug?
(aus meinem kleinen im Eigenverlag publizierten Buch: „Sentenzen aus einer banalen Zeit“)
Man schreibt solche Zeilen recht leichtfertig – wenn man etwas darüber nachdenkt, wird die Sache schnell kompliziert – besonders, wenn man sich mit dem Instrumentarium der Philosophie dem Begriff der „Alternativen“ nähert und dieses dann zusätzlich noch versucht, mit demjenigen der Psychologie abzugleichen – ein fast hoffnungsloser Prozess.
Da ergäbe sich zunächst die Frage, wie viele Alternativen überhaupt vernünftig wären und man käme dann vielleicht zu der Antwort: so viele wie möglich! Das wäre jetzt völlig leichtfertig, denn wer allzu viele Alternativen hat, gerät sofort in ein psychologisches Dilemma, das am besten mit dem bekannten Begriff der „Qual der Wahl“ gekennzeichnet ist.
Hätten wir nur eine einzige Option, können wir uns logischerweise nicht entscheiden, wir müssten automatisch diese Option wählen. Also brauchen wir zumindest zwei Optionen, die sich leider gegenseitig auch ausschließen könnten. Die Wahl wird in jedem Fall ab zwei Alternativen zu einem Bewertungsproblem: wir müssen entscheiden, welche Alternative die bessere ist. Wer all zu viele Alternativen hat, würde genau an diesem Problem scheitern, denn zu viele Alternativen machen die Bewertung zu einem langwierigen und schwierigen Prozess.
Anm.: Wir merken das zunehmend in unseren europäischen Demokratien, in denen die Zahl der theoretisch wählbaren Parteien trotz 4 oder 5 Prozenthürden im Wachsen begriffen ist. Die USA haben uns in dieser Beziehung mit ihrem Zweiparteiensystem etwas voraus, ein solches System erspart den Wählern sich zwischen 5, 6 oder noch mehr Parteien (z.B. in Italien) zu entscheiden.
Die Frage der „richtigen“ Anzahl an Alternativen ist nicht beantwortbar, die Zahl von ca. 3 – 4 Alternativen wäre aus psychologischen Gründen “vernünftig”, weil wir erst ab drei Optionen die Entscheidungsfreiheit haben, wirklich zwischen „besseren“ und “schlechteren” Alternativen entscheiden zu können, ohne in die vertrackte Situation des „entweder-oder“ zu kommen.
Sobald wir jetzt jedoch das Instrumentarium der Philosophie anwenden, kommen wir naturgemäß zu der bis heute nicht gelösten Frage, ob wir überhaupt frei entscheiden können, eine Frage, die angefangen von der griechischen Antike, über die Aufklärung bis heute in der modernen Neurologie ein unerschöpfliches Thema ist, das hier nicht allzu sehr vertieft werden soll.
In der Philosophie unterscheidet man zwischen einer bedingten und unbedingten Willensfreiheit.
Die bedingte Willensfreiheit hält den Willen für frei, wenn man seinen Willen nach eigenen persönlichen Motiven und Neigungen gebildet hat und tun und lassen kann, was man will. Am schönsten hat das Schopenhauer in dem Satz zusammengefasst, der Mensch könne tun, was er will, aber er könne nicht wollen, was er will.
Wesentlich schwieriger ist es über die unbedingte Willensfreiheit nachzudenken, weil in diesem Konzept nur frei gedacht werden kann, wenn das Wollen wirklich von nichts abhängt, also durch nichts bedingt ist.
Dieser kleine Beitrag kann nicht tiefer in diese Problematik eindringen und möchte mit einem Zitat von Torsten de Winkel (1999) enden, das die ganze Problematik der unbedingten Willensfreiheit recht griffig erfasst:
„Die einzige Möglichkeit, einen wirklich freien Willen zu manifestieren, wäre, etwas zu tun, wozu es keinerlei Veranlassung gibt. Und da dies selbst die Veranlassung wäre, ist dies unmöglich.“
(Alfred Rhomberg)
P.S. in jedem Fall bietet das gewählte Blogbild zu wenig Alternativen, weil es nur ein „entweder oder“ zulässt.
am 26.07.2008 01:06
(2) Kommentare zum Beitrag "Über Alternativen und Entscheidungsfreiheit"
RE: Über Alternativen und Entscheidungsfreiheit
Mir gelingt es nie bei diesem Thema den Begriff “Schicksal” auszublenden (muss an meiner religiösen Ader liegen), der hier gekonnt umgangen wird, damit alles auf rationaler Ebene bleibt.
Ich glaube, dass die “Allgemeinheit” (ich mag diese Pauschalierung auch nicht) eigentlich weniger entscheidungswillig ist, weil damit die Anstrengung des Abwägens und Nachdenkens verbunden ist. Diktatorisches Vorgegeben-Werden hat seinen Reiz, wenn man oft und lang vor einem psychischen Entscheidungs-Dilemma steht. Es würde meines Geistes größtes Leid und Tod bedeuten, in der Hoffnung auf “dumm, aber glücklich…”. An eigenem Leibe durfte ich aber Erfahren, dass dieses Dilemma sich dann nicht ändert, nur der Focus wechselt (zB von philosophischen auf pragmatische “Alltagsprobleme”: “Was zieh ich heute an?” usw.). Die meisten Probleme verlieren an Bedeutung nur in anbetracht größerer, wichtigerer.
Zu ihrem Bild muss ich noch hinweisen, dass sich hier ja (wie bei Wein und dem leeren Blatt Papier) noch mindestens zwei weitere Alternativen ergeben (wenn wir mal von Gläser zertrümmern und Gesöff vom Tisch saugen absehen ;-) ).
geschrieben von iskarioth am 26.07.2008 10:08
RE: Über Alternativen und Entscheidungsfreiheit
Der Begriff „Schicksal“ schwingt in seiner religiösen Auslegung bei meinen Überlegungen immer etwas mit (ich bin bewusst – erst vor 6 Jahren vom Protestantismus zum Katholizismus konvertiert – allerdings nicht wegen der Schicksalsfrage!). Dass ich in meinen Beiträgen den Begriff „Schicksal“ trotzdem gerne vermeide, liegt daran, dass man unter Einbeziehung des Schicksalbegriffes eigentlich gar nicht mehr nachdenken dürfte, weil eben das Schicksal alles andere erübrigt. Ich verweise auf meine Beiträge: Kosmo-(logisches?) – Blick aus dem Fenster (30.1.2008), Leben = Sein plus Hoffnung (23.02.2008) und ganz besonders auf Biblia Nova? – Der Konflikt mit der „alttestamentarischen“ Sprache (17.6.2008), in welchem ich – glaube ich – am deutlichsten versucht hatte, den bestehenden und sich immer stärker vertiefenden Konflikt zwischen dem Positivismus der Naturwissenschaften und der Kirche herauszuarbeiten.
Was die Bilder betrifft, so beziehe ich „fahrlässige“ Alternativen (des Zertrümmerns des Weinglases etc.) gar nicht ein – trotzdem ist es mir natürlich bewusst, dass man ein Glas Wein nicht austrinken und ein weißes Blatt Papier nicht füllen muss – aber müssen tut man ja eigentlich fast gar nichts – außer…
Ig.Alfred Rhomberg
geschrieben von Alfred Rhomberg am 26.07.2008 13:03
Neuer Kommentar
Igler Reflexe - INHALT
Mir gelingt es nie bei diesem Thema den Begriff “Schicksal” auszublenden (muss an meiner religiösen Ader liegen), der hier gekonnt umgangen wird, damit alles auf rationaler Ebene bleibt.
Ich glaube, dass die “Allgemeinheit” (ich mag diese Pauschalierung auch nicht) eigentlich weniger entscheidungswillig ist, weil damit die Anstrengung des Abwägens und Nachdenkens verbunden ist. Diktatorisches Vorgegeben-Werden hat seinen Reiz, wenn man oft und lang vor einem psychischen Entscheidungs-Dilemma steht. Es würde meines Geistes größtes Leid und Tod bedeuten, in der Hoffnung auf “dumm, aber glücklich…”. An eigenem Leibe durfte ich aber Erfahren, dass dieses Dilemma sich dann nicht ändert, nur der Focus wechselt (zB von philosophischen auf pragmatische “Alltagsprobleme”: “Was zieh ich heute an?” usw.). Die meisten Probleme verlieren an Bedeutung nur in anbetracht größerer, wichtigerer.
Zu ihrem Bild muss ich noch hinweisen, dass sich hier ja (wie bei Wein und dem leeren Blatt Papier) noch mindestens zwei weitere Alternativen ergeben (wenn wir mal von Gläser zertrümmern und Gesöff vom Tisch saugen absehen ;-) ).
Der Begriff „Schicksal“ schwingt in seiner religiösen Auslegung bei meinen Überlegungen immer etwas mit (ich bin bewusst – erst vor 6 Jahren vom Protestantismus zum Katholizismus konvertiert – allerdings nicht wegen der Schicksalsfrage!). Dass ich in meinen Beiträgen den Begriff „Schicksal“ trotzdem gerne vermeide, liegt daran, dass man unter Einbeziehung des Schicksalbegriffes eigentlich gar nicht mehr nachdenken dürfte, weil eben das Schicksal alles andere erübrigt. Ich verweise auf meine Beiträge: Kosmo-(logisches?) – Blick aus dem Fenster (30.1.2008), Leben = Sein plus Hoffnung (23.02.2008) und ganz besonders auf Biblia Nova? – Der Konflikt mit der „alttestamentarischen“ Sprache (17.6.2008), in welchem ich – glaube ich – am deutlichsten versucht hatte, den bestehenden und sich immer stärker vertiefenden Konflikt zwischen dem Positivismus der Naturwissenschaften und der Kirche herauszuarbeiten.
Was die Bilder betrifft, so beziehe ich „fahrlässige“ Alternativen (des Zertrümmerns des Weinglases etc.) gar nicht ein – trotzdem ist es mir natürlich bewusst, dass man ein Glas Wein nicht austrinken und ein weißes Blatt Papier nicht füllen muss – aber müssen tut man ja eigentlich fast gar nichts – außer…
Ig.Alfred Rhomberg
