
eZine von Alfred Rhomberg
Igler Reflexe - In Memoriam Bruno (III) - Requiem mit obligatem Fis
Bildquelle: Foto Alfred Rhomberg
Wenn Bären im Wirtshaus zusammensitzen, ein paar Gläser zu sich genommen haben und es ihnen eigentlich zum Weinen zu Mute wäre, ist es besser eine neue Anekdote zu erzählen, besonders, weil es einen weiteren Trauerfall zu beklagen gab. Brunos Schwester (namenlos) war in einem Südtiroler See ertrunken, weil sie mit einem Betäubungsgewehr angeschossen worden war und daher in betäubtem Zustand nicht schwimmen konnte – was manche Wildhüter nicht wissen. Hier also eine neue Anekdote:
Requiem mit obligatem Fis
Bären sind meist nicht sehr musikalisch. Dadurch, dass sie Laute ausstoßen können, die fast nur von Bären als schön empfunden werden, haben sie, was Musik betrifft, gewisse Nachteile gegenüber anderen Tierarten, die zum Beispiel Vögel nicht haben. Die Vorstellung, einen Bären singen zu hören, ist selbst für Bären ziemlich lächerlich und würde nur noch durch die Vorstellung übertroffen, wenn Bären schweizerisch oder holländisch sängen (letzteres kommt allerdings nie vor, weil es in Holland keine Bären gibt).
Der Bär Bruno hatte trotzdem die feste Absicht, Musiker zu werden und dachte an das Komponieren – weil Komponisten nicht singen müssen und sich jene Musikstücke ausdenken können, die andere Musiker dann spielen müssen, selbst wenn sie die Kompositionen nicht mögen.
Klugerweise wollte Bruno es sich nicht allzu schwer machen und begann, Musikstücke zu komponieren, die im wesentlichen aus Grunzlauten bestanden und er meinte, dass sich hierfür die Posaune besonders eignete. Er begann seine Musikausbildung also mit der Erlernung des Posaunenspiels, denn man sollte auch als Komponist ein Instrument spielen können. Er hatte die Posaune ziemlich unterschätzt und zunächst brachte er es damit nicht weit, allenfalls gelang es ihm einen einzigen – immer denselben – Ton zu spielen. Posaune blasen ist deutlich schwieriger als nicht Posaune zu blasen. Für eine echte Komposition war das zu wenig – insbesondere für sein Vorhaben, ein Requiem zu komponieren und so fügte er seinen Musikstücken auch noch den Klang eines Triangels hinzu. Das hatte zwei Vorteile: erstens passen die Töne eines Triangels recht gut zum Ton einer Posaune, zweitens ist das Triangel ein sehr leicht zu spielendes Instrument und es würde wohl keine Schwierigkeiten bereiten, andere Bären im Triangelspiel anzulernen. Er selbst würde dann die wesentlich schwieriger zu beherrschende Posaune, wenn auch mit nur einem einzigen Ton, übernehmen.
Das erste selbstkomponierte Musikstück klang etwas so:
Anm.: Bruno erfand auch gleich eine neue Notenschrift, in der die Zeichen ”/” für freie Gestaltung der Posaune und ”\” für freie Gestaltung im Triangelspiel stehen
kling kling
brumm (Pause)
brumm (Pause) brumm-brumm (Pause)
brumm-brumm-brumm-
kling-kling kling
/ \
/ \ / \
brumm-brumm-brumm – da capo al fine
Der Bär fand auch bald einen Freund der sich bereit erklärte, das Spielen des Triangels zu erlernen und so luden die beiden Bären alle ihre Freunde und Bekannten zu ihrem ersten Konzert ein, das sie „Konzert für Posaune und obligates Triangel“ nannten.
Die Enttäuschung am Ende des Konzerts war groß – es gab nämlich keinen Applaus, nicht einmal die Frau des Bären klatschte mit ihren Pfoten. Der Bär beschloss darauf, sein Posaunenspiel noch etwas zu verfeinern und bald konnte er insgesamt drei Töne spielen. Insbesondere erlernte er auch ein fis (er wusste zwar nicht, was das war – man musst es nur spielen können).
Das neue Konzert (er nannte es „Requiem mit obligatem Fis und Triangel”) klang nun schon deutlich komplizierter (was sich auch in der Partitur ausdrückte):
kling- kling
fis-fis (zugegeben – etwas gewagt)
\
/ \
brumm / \
(Pause) \
brumm fis
fis-fis
(Pause)\ / \
brumm /
\ und so weiter
\ (Pause) / \ / da capo sensa fine (?)
Wieder lud er seine Freunde und Bekannten ein und auch diesmal gab es keinen Applaus, insbesondere beim Blasen des „fis“ hatte es sogar stets einige Buh-Rufe gegeben.
Entweder sind Bären wirklich nicht sehr musikalisch, vielleicht würden seine Kompositionen aber auch erst später, nach seinem Tode berühmt werden. Komponisten haben oft das gleiche Schicksal wie Erfinder.
f i n e
(und wieder warfen die versammelten Bären heulend in ihrer Trauer die Gläser an die Wand, sangen zum Andenken an Bruno und seine Schwester Brunos Requiem mit obligatem fis und trugen sich in das stets aufgelegte Kondolenzbuch ein).
Anm.: Das Bruno’sche fis-fis ist schon heute in die Musikliteratur eingegangen – insgesamt wird auch das gesamte Requiem in die Standardliteratur progressiver Orchester eingehen.
(Alfred Rhomberg)
am 30.07.2008 01:38
