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Wien 1.,Innere Stadt - Japan und Österreich: Ähnliches Gewaltverhalten von SchülerInnen
Dagmar Strohmeier von der Fakultät für Psychologie befasst sich mit dem Forschungsfeld “Gewalt an Schulen”. Kürzlich beendete sie ihre kulturvergleichende Studie, in der sie das aggressive Verhalten von japanischen SchülerInnen jenem von österreichischen im Spannungsfeld zwischen dem Kollektivimus Japans und dem stärkeren Individualismus in Österreich gegenüberstellte. Überraschendes Ergebnis: Das Mobbing-Verhalten der SchülerInnen ist ähnlicher als gedacht.
Aggressives Verhalten von Kindern ist ein Phänomen sowohl in westlichen als auch östlichen Kulturkreisen. Es gibt jedoch Unterschiede in der Art der ausgeübten Gewalt: Während in der westlichen Welt “Bullying” durchaus verbreitet ist und dabei neben verbaler Gewalt auch körperliche Attacken angewendet werden, äußert sich in Japan das sogenannte “ijime” in subtileren Verhaltensformen, z.B. sozialer Ausgrenzung als indirekter Aggression.
Um diese Hypothesen zu untermauern, führte Dagmar Strohmeier in den letzten zwei Jahren gemeinsam mit Yuichi Toda von der Osaka University of Education Untersuchungen durch. Auf Basis eines “kulturfairen” Fragebogens entwickelten die WissenschafterInnen für zehn- bis 16-jährige SchülerInnen ein passendes Untersuchungsdesign. Das Forschungsteam befragte im Zuge der quantitativen Studie vier verschiedene Gruppen: deutschsprachige Kinder in Österreich und Deutschland, japanischsprachige Kinder in Österreich und Deutschland, Kinder mit deutscher Muttersprache in Japan und schließlich japanischsprachige Kinder in ihrer Heimat Japan.
Direkte und indirekte Aggression
Das ForscherInnenteam untersuchte direkte und indirekte Aggression, die einerseits aktiv ausgeübt und andererseits passiv erlitten wird. Auch wurde eruiert, ob Mobbing einzeln oder in der Gruppe durchgeführt wird und ob Buben und Mädchen ein unterschiedliches Aggressionsverhalten an den Tag legen.
Unerwartete Ergebnisse
Die Auswertung der Daten brachte zum Teil erstaunliche Resultate. Entgegen der Erwartungen zeigte sich auch bei den japanischen SchülerInnen ein hohes Ausmaß an direkter, offener Aggression. Wie erklärt sich die Forscherin dieses Ergebnis? Dagmar Strohmeier ortet den Grund dafür in externen Variablen: “Im Erhebungszeitraum war Gewalt an Schulen ein sehr heftig diskutiertes Thema. Es ist möglich, dass sich SchülerInnen deshalb besonders ehrlich geäußert haben.” Darüber hinaus verbringen japanische Kinder den ganzen Tag in der Schule – mehr Zeit, in der auch ein Mehr an Gewalt auftreten kann. Und schließlich ist das japanische Schulsystem sehr kompetitiv. “Wer sich gegen scheinbare KonkurrentInnen durchsetzen muss, greift möglicherweise auch öfter zum Mittel der Gewalt”, sagt Strohmeier.
Erwartungsgemäß zeigte sich bei der Befragung, dass in Japan Mobbing weniger von einzelnen Kindern als in der Gruppe ausgeübt wird. “In Österreich findet man dieses Verhalten auch, vor allem bei Buben”, präzisiert die Forscherin.
Was schließlich das unterschiedliche Gewaltverhalten von Buben und Mädchen angeht, bestätigte sich die Vermutung, dass Mädchen stärker indirekte Aggression wie z.B. klassisches Mobbing ausüben.
Fazit der Psychologin: Bei kulturvergleichender Forschung gibt es viel mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. “Es lohnt sich, nach Ähnlichkeiten zu suchen statt nach den Unterschieden”.
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